Von R. Schwertfechter·Aktualisiert: ·11 Min. Lesezeit·✓ Geprüft

BARF für Anfänger: Die komplette Anleitung zur Rohfütterung

BARF richtig machen: Zusammensetzung, Portionsgrößen, Fleischsorten, Ergänzungen und die häufigsten Anfängerfehler. Alle Infos für den sicheren Einstieg.

Was ist BARF?

BARF steht für "Biologisch Artgerechtes Rohes Futter" – manchmal auch als "Bones And Raw Food" interpretiert. Das Prinzip: Hunde fressen ausschließlich rohe, unverarbeitete Lebensmittel in einer Zusammensetzung, die der Ernährung von Wildcaniden (Wölfen) ähnelt.

BARF ist keine Randerscheinung: In Deutschland ernähren laut Umfragen ca. 8–12 % aller Hundebesitzer ihren Hund ganz oder teilweise per BARF. Das entspricht etwa 1–1,5 Millionen Hunden.

Warum BARF? Befürworter nennen: Bessere Verträglichkeit bei sensiblen Mägen, gesünderes Fell, festigerer Kot, mehr Energie, weniger Allergiesymptome. Studien dazu sind limitiert – aussagekräftige kontrollierte Langzeitstudien fehlen. Die Erfahrungsberichte vieler Besitzer sind jedoch konsistent positiv, wenn BARF korrekt zusammengestellt wird.

Die Grundregel: 70-15-10-5

Die wichtigste Formel für BARF-Einsteiger ist die 70-15-10-5-Regel. Sie beschreibt die prozentuale Zusammensetzung einer ausgewogenen BARF-Ration:

KomponenteAnteilWas zählt dazu
Muskelfleisch70 %Rind, Geflügel, Lamm, Wild, Pansen
Rohe Knochen15 %Hühnerflügel/-hälse, Rinderknochen roh
Organe10 %Leber (max. 5 %), Niere, Herz, Milz
Gemüse/Extras5 %Zucchini, Möhre, Spinat, Kräuter

Diese Aufteilung ist ein Ausgangspunkt, kein starres Gesetz. Für Welpen, Senioren oder kranke Hunde gelten andere Verhältnisse – dann ist tierärztliche Begleitung empfehlenswert.

Wichtig: Nie isoliert füttern. Nur Muskelfleisch ist ein Fehler – die Knochen liefern Kalzium, die Organe liefern fettlösliche Vitamine und Spurenelemente.

Welches Fleisch ist geeignet?

Geeignete Fleischsorten für Muskelfleisch:

Rind (Maultierfleisch, Herzfleisch, Pansen), Geflügel (Hähnchen, Pute, Ente – ohne Knochen wenn gehackt), Lamm, Pferd, Wild (Hirsch, Reh, Kaninchen), Weißfisch (Kabeljau, Seelachs).

Besonders wertvoll:

Herzfleisch – reich an Taurin und L-Carnitin. Rinderpansen – günstig, gute Nährstoffdichte. Lachs und Makrele – hohe Omega-3-Dichte (EPA/DHA).

Verboten:

Rohes Schweinefleisch – Aujeszky-Virus (tödlich für Hunde). Rohes Wildschwein – gleiches Risiko. Alle Fleischsorten für Schweine müssen auf -20°C eingefroren werden (mind. 3 Wochen) um Parasiten abzutöten.

Geflügel-Knochen:

Rohe Hähnchenhälse, Hühnerflügel und Putenflügel sind für die meisten Hunde geeignet. Nie kochen oder braten – dann splittern sie! Knochenanteil auf 10–15 % der Gesamtration beschränken.

Tagesration berechnen

Faustregel: Hund frisst täglich 2–3 % des Körpergewichts als Frischfutter-Ration.

Beispiele:

Gewicht HundTagesration (2,5 %)Davon Muskelfleisch (70 %)
5 kg125 g88 g
15 kg375 g263 g
30 kg750 g525 g
50 kg1.250 g875 g

Anpassen nach: - Aktivitätslevel: Sehr aktive Hunde bis 3,5 %, inaktive Senioren 1,8 % - Gewichtsentwicklung: Kontrolliere alle 2 Wochen – passe ±0,25 % an wenn nötig - Alter: Welpen brauchen 5–8 % (aufgeteilt auf 3–4 Mahlzeiten)

BELLA berechnet die Tagesration nach RER-Formel (70 × kg^0,75 × Aktivitätsfaktor) automatisch wenn du dein Hundeprofil anlegst.

Notwendige Nahrungsergänzungen

BARF ist ohne Ergänzungen nicht vollständig. Drei Nährstoffe sind kritisch:

1. Lachs- oder Leinöl (Omega-3)

Dosis: 0,05 ml pro kg Körpergewicht täglich. Lachsöl liefert EPA und DHA direkt nutzbar; Leinöl liefert ALA (muss umgewandelt werden – schlechtere Rate). Lagere Öl dunkel und kühl – ranziges Öl ist schädlicher als keines.

2. Seegrasmehl oder Jod-Supplement

Fleisch allein enthält kaum Jod. Jodmangel führt zu Schilddrüsenproblemen. Dosis: ca. 180 µg Jod pro Tag für einen 20-kg-Hund. Seegrasmehl ist natürliche Quelle; alternativ Tierarzt-Supplement.

3. Kalzium-Phosphor-Ausgleich

Wenn keine rohen Knochen gefüttert werden: Kalziumcarbonat oder Eierschalenpulver. Knochen-freie BARF-Rationen haben fast immer ein zu niedriges Ca:P-Verhältnis.

Optional aber sinnvoll: Vitamin E (als Antioxidans, besonders wenn viel fetthaltiges Fleisch), Zinkgluconat (häufig defizitär in reinen Fleischrationen).

Hygieneregeln – unterschätzt von Einsteigern

BARF-Fütterung bedeutet: rohes Fleisch im Haushalt. Das erfordert konsequente Hygiene:

  • Separate Schneidebretter und Messer nur für Hundefutter
  • Napf nach jeder Mahlzeit heiß auswaschen (> 60°C)
  • Aufgetautes Fleisch nicht wieder einfrieren
  • Fleischreste nicht länger als 2h bei Raumtemperatur stehen lassen
  • Hände nach Zubereitung gründlich waschen

Besonders wichtig: In Haushalten mit Kleinkindern, Schwangeren oder immungeschwächten Personen ist das Salmonellen-Risiko realer. Das ist kein Argument gegen BARF – aber ein Argument für konsequente Hygiene.

Studien zeigen: 20–50 % aller BARF-Rationen im Haushalt tragen Salmonellen. Die meisten Hunde zeigen keine Symptome (natürliche Resistenz), können aber Träger sein.

Einstieg: So startest du

Empfohlener Einstiegsplan für Einsteiger:

Woche 1: Eine Fleischsorte (z.B. Rinderhackfleisch 80/20) ohne Knochen, ohne Ergänzungen. Einfach beobachten: Wie reagiert der Magen? Wie ist die Kotqualität?

Woche 2: Knochen einführen (rohe Hähnchenhälse, wenn der Hund die richtige Größe hat). Parallel Lachs- oder Fischöl starten.

Woche 3: Organe einführen. Beginne mit Herz (milder), nicht mit Leber. Leber erst ab Woche 4–5 in kleinen Mengen.

Woche 4–6: Sukzessive verschiedene Fleischsorten einführen. Ziel: 3–4 verschiedene Proteinquellen pro Woche.

Nach 6–8 Wochen: Vollbild-BARF nach 70-15-10-5-Formel, alle Ergänzungen etabliert. Dann Blutbild beim Tierarzt – überprüft ob die Nährstoffversorgung stimmt.

Häufige Fragen

Kann ich meinen Welpen barfen?

Ja, aber mit Vorsicht. Welpen haben andere Nährstoffbedarfe als Erwachsene: mehr Protein, andere Ca:P-Verhältnisse, mehr DHA. Selbst gemischtes BARF für Welpen ist fehleranfällig – Fertig-BARF von seriösen Anbietern (B.A.R.F. Direkt, Barf-Manufaktur) ist sicherer. Tierärztliche Begleitung empfehlenswert.

Wie bewahre ich BARF-Portionen auf?

Tiefgekühlte BARF-Rationen (Portionsbeutel à Tagesration) im Gefrierfach (mind. -18°C). Auftauen im Kühlschrank über Nacht, nie in der Mikrowelle (zerstört Nährwerte). Aufgetaute Portion 2h auf Raumtemperatur bringen vor dem Füttern – die meisten Hunde mögen kaltgepufferte Portionen nicht.

Was kostet BARF im Monat?

Für einen 20-kg-Hund ca. 60–120 €/Monat bei selbst zusammengestelltem BARF (Direktkauf beim Metzger oder Hundefutter-Großhandel). Fertig-BARF aus dem Handel: 100–180 €/Monat. Günstiger als hochwertiges Premium-Trockenfutter ist BARF meist nicht.

Muss ich jeden Tag die genaue 70-15-10-5-Formel einhalten?

Nein. BARF funktioniert als Wochendurchschnitt. An einem Tag kann es mehr Knochen sein, am nächsten mehr Muskelfleisch. Wichtig ist die Balance über 7 Tage. Ausnahme: Leber nie täglich – max. 2–3x pro Woche und max. 5 % der Gesamtration.

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