Nicht jedes verlorene Kilo ist gleich
Wenn ein Hund während der Diät Gewicht verliert, ist die Waage allein noch keine vollständige Information. Entscheidend ist, woraus dieses Gewicht besteht: Im Idealfall verliert der Hund vor allem Fettgewebe, während die Muskulatur weitgehend erhalten bleibt. Wird die Diät jedoch ungünstig gestaltet — etwa mit zu wenig Protein oder einer zu drastischen Kalorienreduktion (siehe Tipp 30) — kann ein erheblicher Teil des Gewichtsverlusts aus Muskelmasse stammen. Das wäre ein schlechter Tausch.
Warum Muskelerhalt so wichtig ist
Muskulatur ist mehr als nur Bewegungsapparat. Sie ist stoffwechselaktives Gewebe, das selbst Energie verbraucht — auch im Ruhezustand. Ein Hund mit guter Muskulatur hat dadurch tendenziell einen etwas höheren Grundumsatz als ein Hund mit wenig Muskelmasse bei gleichem Körpergewicht. Geht während der Diät Muskulatur verloren, sinkt der Energiebedarf zusätzlich — was die Diät auf Dauer erschwert und das Risiko für einen Jojo-Effekt erhöht (siehe Tipp 62).
Die Rolle von Protein
Protein liefert die Bausteine, aus denen Muskulatur aufgebaut und erhalten wird — die sogenannten Aminosäuren. Während einer Diät, in der insgesamt weniger Energie aufgenommen wird, ist eine ausreichende, anteilig sogar erhöhte Proteinzufuhr ein wichtiger Schutzfaktor für die Muskulatur. Der Körper "verteidigt" Muskelgewebe eher, wenn genug Baumaterial in Form von Protein zur Verfügung steht.
Wie viel Protein sinnvoll ist
Spezielle Diät- und Gewichtsmanagement-Futtersorten sind oft bewusst so formuliert, dass sie bei reduziertem Energiegehalt einen vergleichsweise hohen Proteinanteil bieten (siehe Tipp 35). Diese Zusammensetzung ist kein Zufall, sondern gezielt darauf ausgelegt, den Muskelerhalt während der Diät zu unterstützen.
Protein und Bewegung gehen Hand in Hand
Protein allein reicht nicht — Muskulatur braucht auch einen Reiz, um erhalten oder aufgebaut zu werden. Bewegung, insbesondere etwas anspruchsvollere Übungen wie Bergauflaufen (siehe Tipp 24) oder gezieltes Training (siehe Tipp 94), liefert diesen Reiz. Die Kombination aus ausreichend Protein und regelmäßiger Bewegung ist deutlich wirksamer für den Muskelerhalt als eines der beiden allein.
Woran du erkennst, ob Muskulatur erhalten bleibt
Eine einfache Methode: Achte beim Body Condition Score (siehe Tipp 2) nicht nur auf Fett, sondern auch darauf, wie sich der Hund insgesamt anfühlt und bewegt. Ein Hund, der trotz Gewichtsverlust kraftvoll und agil bleibt, hat vermutlich vor allem Fett verloren. Ein Hund, der zunehmend schlapp wirkt oder an Kraft verliert, könnte zu schnell oder mit zu wenig Protein abnehmen.
Protein bei Senioren besonders wichtig
Ältere Hunde verlieren ohnehin im Laufe der Zeit etwas Muskelmasse — ein natürlicher Alterungsprozess. Bei einer Diät im Seniorenalter (siehe Tipp 79) ist der Erhalt der vorhandenen Muskulatur deshalb noch wichtiger, da ein zusätzlicher Verlust schwerer auszugleichen ist als bei jüngeren Hunden.
Proteinquellen im Futter
Hochwertige tierische Proteinquellen wie Fleisch, Fisch oder Eier liefern in der Regel ein günstigeres Aminosäureprofil als rein pflanzliche Proteinquellen. Bei der Auswahl eines Diätfutters lohnt sich ein Blick auf die Deklaration, um einzuschätzen, woher das angegebene Protein überwiegend stammt.
Wann zum Tierarzt
Wenn dein Hund während der Diät an Kraft, Ausdauer oder Muskelumfang sichtbar verliert — etwa an der Hinterhand, wo Muskelschwund oft zuerst auffällt — sprich mit deinem Tierarzt. Möglicherweise muss die Futterzusammensetzung angepasst oder das Diät-Tempo verlangsamt werden (siehe Tipp 30).
Fazit
Beim Abnehmen geht es nicht nur um die Zahl auf der Waage, sondern darum, was genau verschwindet. Ausreichend Protein, kombiniert mit regelmäßiger Bewegung, hilft dabei, dass vor allem Fett abgebaut wird — und dein Hund am Ende der Diät nicht nur leichter, sondern auch fit und kräftig ist.
