„Getreidefrei" ist eines der populärsten Marketing-Versprechen im Hundefutter-Segment. Viele Halter wählen getreidefrei, weil es natürlicher klingt, weil ein Forum es empfahl oder weil ihr Hund „nicht so gut auf Getreide reagiert" — ohne dass das je diagnostiziert wurde. Das ist oft harmlos, manchmal aber auch kontraproduktiv.
Wann eine getreidefreie Diät wirklich sinnvoll ist
Eine getreidefreie Diät hat echte Berechtigung bei:
- Nachgewiesener Getreide-Unverträglichkeit: Eine echte Allergie auf Weizen, Mais oder Gerste ist selten, aber möglich. Sie muss durch Eliminationsdiät und Provokation bestätigt sein.
- Bestätigter Glutenempfindlichkeit: Irische Setter haben eine genetisch bedingte Gluten-Empfindlichkeit. Für sie ist Glutenvermeidung medizinisch notwendig.
- Im Rahmen einer Eliminationsdiät: Wenn Getreide als potenzieller Auslöser noch nicht ausgeschlossen wurde, kann getreidefrei Teil der Teststrategie sein.
Was „getreidefrei" nicht bedeutet
- Getreidefrei ist nicht „kohlenhydratfrei" — Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Süßkartoffel sind oft Ersatz. Die Kalorienmenge bleibt ähnlich.
- Getreidefrei ist nicht hypoallergen — Hunden reagieren häufiger auf Fleisch- als auf Getreideproteine.
- Getreidefrei ist nicht sicherer fürs Herz — seit 2018 untersucht die FDA einen möglichen Zusammenhang zwischen leguminosen-reicher getreidefreier Ernährung und Dilatativer Kardiomyopathie (DCM) beim Hund. Das ist noch nicht abschließend geklärt, aber ein Grund zur Vorsicht.
Was Studien sagen
Echte Getreide-Allergien sind bei Hunden selten. Laut mehreren Studien sind Hühnchen, Rind und Milch die häufigsten Allergene — Getreide steht weit hinten. Wer also ohne Diagnose auf getreidefrei wechselt, löst in den meisten Fällen kein bestehendes Problem.
