Das Bild täuscht
Wenige Bilder von Hunden sind so ikonisch wie der Hund mit flatternden Ohren und gebleckten Zähnen, der seinen Kopf aus dem Seitenfenster eines fahrenden Autos streckt. Es sieht nach purem Glück aus — nach Freiheit und Wind. Aber hinter diesem Bild verbirgt sich ein Bündel von Risiken, die viele Halter nicht kennen.
Was der Fahrtwind anrichtet
Augen. Die Augen eines Hundes sind nicht für hohe Windgeschwindigkeiten ausgelegt. Bei 80 km/h trifft der Fahrtwind mit der Kraft eines Sturms auf die Hornhaut. Sandkörner, Insekten, Asphaltstaub, kleine Steinsplitter — all das wird zur Gefahr. Bindehautentzündungen, Hornhautverletzungen und chronische Reizungen sind typische Folgen. Manche Hunde entwickeln über Zeit eine sogenannte «Staubkorn-Keratitis» — eine Narbenbildung auf der Hornhaut durch winzige, wiederholte Verletzungen.
Ohren. Der Fahrtwind trifft die Ohren ebenfalls mit voller Kraft. Chronische Überblähung des Gehörgangs durch Fahrtwind kann langfristig zu Ohrproblemen führen — besonders bei Hunden mit langen Ohren wie Basset oder Dackel, deren Ohren im Fahrtwind unkontrolliert schlagen.
Gefahr des Herausfallens. Bei einer Vollbremsung oder Kurvenfahrt kann ein Hund, der sich mit dem Kopf aus dem Fenster lehnt, das Gleichgewicht verlieren. Selbst wenn er nicht herausfällt, können Zug- oder Stoßbewegungen den Nacken oder Rücken verletzen.
Türfall. Elektrische Fensterheber sind für Hunde gefährlich, wenn der Hund seinen Kopf oder Pfoten im Fensterbereich hat und jemand versehentlich das Fenster schließt.
Die sichere Alternative
Der Hund gehört gesichert ins Auto — nicht mit dem Kopf aus dem Fenster. Möglichkeiten:
Transportbox: Die sicherste Option. Im Falle eines Unfalls schützt die Box den Hund vor Aufprall und Herumschleudern. Hunde, die Boxen kennen und mögen, reisen darin oft entspannter als frei im Auto.
Sicherheitsgurt mit Hundegeschirr: Ein stabiles Geschirr mit Karabiner-Adapter, der in den normalen Sicherheitsgurtschloss eingehakt wird, hält den Hund auf der Rückbank. Wichtig: Halsband allein ist beim Aufprall eine Verletzungsgefahr für den Hals — immer Geschirr verwenden.
Kofferraumgitter oder Trennnetz: Für größere Hunde im Kombi eine gute Option, sofern der Kofferraum ausreichend groß und mit einer Matte ausgestattet ist.
Ein kleines, geöffnetes Fenster — Lüftungsschlitz statt volles Fenster — lässt frische Luft herein, ohne die Risiken des «Kopf-raus»-Erlebnisses. Viele Hunde schätzen den Luftzug auch so, und die Nase bekommt trotzdem alle interessanten Gerüche.
Was das Gesetz sagt
In Deutschland gilt: Tiere müssen so gesichert transportiert werden, dass sie den Fahrer nicht ablenken und bei einem Unfall nicht zu Projektilen werden. Nicht ordnungsgemäß gesicherter Transport kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden — und im Schadensfall zu Problemen mit der Versicherung führen. Sicherheit im Auto ist also nicht nur eine Frage der Fürsorge, sondern auch des Rechts.
