Addison – die große Verkleiderin
Der Morbus Addison (Hypoadrenokortizismus) ist das funktionale Gegenstück zum Cushing-Syndrom: Die Nebennierenrinde produziert zu wenig Cortisol und häufig auch zu wenig Aldosteron. Die Krankheit tritt seltener auf als Cushing, ist aber tückischer, weil die Symptome unspezifisch und wechselhaft sind. In der Tiermedizin hat Addison deshalb den Spitznamen „der große Imitator" – weil sie viele andere Erkrankungen nachahmt.
Obwohl Addison grundsätzlich jeden Hund treffen kann, sind mittelalte bis ältere Hunde und bestimmte Rassen (Standard Pudel, Portugiesischer Wasserhund, Nova Scotia Duck Tolling Retriever, Bearded Collie) häufiger betroffen. Hündinnen erkranken etwas häufiger als Rüden.
Zeichen, auf die du achten solltest
Die Symptome sind oft wellenartig – mal besser, mal schlechter:
- Schwäche und Lethargie: Der Hund ist ungewöhnlich müde, will nicht aufstehen, bricht auf Spaziergängen ein.
- Erbrechen und Durchfall: Anhaltende Verdauungsprobleme ohne erkennbare Ursache.
- Gewichtsverlust: Trotz normalem oder kaum verändertem Fressen.
- Zittern und Muskelschwäche: Vor allem der Hinterhand.
- Schmerzen im Bauchbereich: Der Hund wirkt verkrampft oder drückt den Bauch ein.
Diese Zeichen können sich über Wochen schleichend zeigen – oder sich in einer sogenannten Addison-Krise dramatisch zuspitzen.
Die Addison-Krise – medizinischer Notfall
Eine Addison-Krise ist lebensbedrohlich. Der Hund bricht zusammen, ist schwach, hat einen schnellen schwachen Puls, niedrigen Blutdruck und Erbrechen. Ohne sofortige tierärztliche Behandlung mit Infusionen und Cortisol-Ersatz kann die Krise tödlich enden.
Wenn dein Hund plötzlich kollabiert oder sich drastisch verschlechtert: Sofort in die Tierklinik.
Diagnose
Blutbild-Auffälligkeiten (erhöhtes Kalium, niedriges Natrium, niedriger Blutzucker) geben erste Hinweise. Gesichert wird die Diagnose über den ACTH-Stimulationstest, der eine unzureichende Cortisol-Antwort der Nebennieren zeigt.
Behandlung und Alltag
Addison ist gut therapierbar, aber es ist eine lebenslange Erkrankung. Die Standardtherapie umfasst:
- Fludrocortison (tägliche Tablette) oder DOCP-Injektionen (monatlich) zum Aldosteron-Ersatz
- Prednisolon täglich in niedriger Dosis als Cortisol-Ersatz
- Bei Stress (Tierarzt, Reise, Operationen) wird die Cortisolmenge vorübergehend erhöht – informiere immer jeden Tierarzt über die Erkrankung
Mit der richtigen Therapie haben Addison-Hunde eine normale Lebenserwartung und Lebensqualität. Regelmäßige Elektrolyt-Kontrollen (alle 3–6 Monate) sind notwendig.
FAQ
Kann ich einen Addison-Hund noch stressen? Stress muss nicht vermieden werden, aber bei absehbaren Stresssituationen wird die Cortisol-Dosis vorübergehend erhöht (Stressprotokoll – Tierarzt informieren).
Was kostet die Behandlung? Laufende Medikamentenkosten variieren je nach Hund und Therapieform. Eine Tierkrankenversicherung kann hier sinnvoll sein.
Addison ist kein Todesurteil – wer die Erkrankung kennt und konsequent behandelt, schenkt seinem Hund viele gute Jahre.
