Das Nervensystem altert mit
Das Nervensystem eines Hundes ist kein statisches Gebilde. Mit dem Alter kommt es zu einem langsameren Reizleitungsvermögen, einem Rückgang von Nervenzellen und zunehmenden Degenerationsprozessen in Rückenmark und Gehirn. Diese Veränderungen können sich auf viele Weisen zeigen – von milden Koordinationsproblemen bis zu ernsteren neurologischen Ausfällen.
Das Wichtigste vorab: Neurologische Symptome beim Seniorhund sollten immer tierärztlich abgeklärt werden, da hinter ihnen sehr unterschiedliche Erkrankungen stecken können.
Typische neurologische Zeichen im Alter
Koordinationsstörungen (Ataxie): Der Hund läuft schwankend, schlurft mit den Hinterbeinen oder stolpert. Die Hinterhand wirkt unsicher oder „wegkippend".
Schleifen der Krallen: Wenn die Hinterbeine nicht mehr richtig angehoben werden, schleifen die Krallen auf dem Boden – erkennbar an schnellerem Abrieb der Krallenvorderkante.
Hinterhandschwäche: Der Hund kann sich schwer erheben, stürzt beim Aufstehen oder läuft breitbeinig.
Kognitive Veränderungen: Desorientierung, Starren an Wände, Umherwandeln, veränderte Schlaf-Wach-Rhythmen können auf ein kognitives Dysfunktionssyndrom (Hundedemenz) hinweisen.
Inkontinenz: Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle kann neuronale Ursachen haben.
Kopfschiefhalten, Augenzittern: Typische Anzeichen des Vestibularsyndroms (separater Artikel).
Häufige Erkrankungen mit neurologischer Beteiligung
- Spondylose: Verknöcherungen an der Wirbelsäule, die Nerven einengen können.
- Bandscheibenvorfall (IVDD): Auch im Alter möglich, verursacht akute Schmerzen und Lähmungen.
- Degenerative Myelopathie: Fortschreitende Rückenmarkerkrankung, besonders bei Deutschen Schäferhunden und Boxern.
- Hirntumoren: Seltener, aber im Seniorenalter häufiger als bei jungen Hunden.
- Hypothyreose: Schilddrüsenunterfunktion kann sich u. a. neurologisch äußern.
Diagnostik
Je nach Symptomatik kommen Röntgen, MRT, CT oder Liquoruntersuchung in Frage. Neurologische Untersuchungen beim Tierarzt (Stellreflexe, Schmerzempfindung, Gang) geben erste Hinweise.
Was du im Alltag tun kannst
- Rutschfeste Unterlagen auf allen Gehflächen
- Rampen statt Treppen
- Aufstehhilfen (Geschirre mit Griff)
- Kein Herunterspringen von Möbeln
- Engmaschige tierärztliche Kontrollen bei Verschlechterung
FAQ
Mein Hund zieht ein Hinterbein – muss ich sofort zum Tierarzt? Ja. Neu aufgetretene Lahmheit oder Schwäche eines Beins sollte zeitnah (heute noch) beurteilt werden. Bei Schmerz und schneller Verschlechterung: sofort zur Notaufnahme.
Ist Degenerative Myelopathie heilbar? Nein, aber Physiotherapie und Hilfsmittel (Rollstühle) können die Lebensqualität lange erhalten.
Neurologische Symptome nicht ignorieren oder als „normales Altern" abtun – frühes Handeln kann entscheidend sein.
