Parodontitis ist die häufigste chronische Erkrankung bei Hunden. Studien schätzen, dass über 80 % aller Hunde ab dem dritten Lebensjahr Anzeichen davon zeigen. Was genau passiert, wie schwerwiegend die Folgen sind und warum frühzeitiges Handeln so wichtig ist — das erkläre ich hier.
Was ist Parodontitis?
Parodontitis ist die Entzündung des Zahnhalteapparats: Zahnfleisch, Kieferknochen, Wurzelhaut und Wurzelzement sind betroffen. Sie entsteht, wenn eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) unbehandelt bleibt und sich tiefer ins Gewebe frisst.
Der Unterschied zu Gingivitis ist entscheidend: Gingivitis ist reversibel, Parodontitis nicht — einmal verlorener Knochen kommt nicht zurück.
Die Entstehung Schritt für Schritt
- Plaque bildet sich auf den Zähnen.
- Zahnstein entsteht durch Mineralisierung.
- Gingivitis: Das Zahnfleisch entzündet sich.
- Taschenbildung: Das Zahnfleisch zieht sich zurück oder löst sich vom Zahn ab — es entstehen Zahnfleischtaschen.
- Bakterienbesiedelung der Taschen: Die Taschen sind schlecht reinigbar und füllen sich mit Keimen.
- Knochenabbau: Die Bakterien zerstören den Kieferknochen um die Zahnwurzel.
- Zahnverlust: Ohne Knochen verliert der Zahn seinen Halt und fällt aus oder muss gezogen werden.
Warum es über den Mund hinausgeht
Bakterien aus Zahnfleischtaschen können in die Blutbahn gelangen und systemische Erkrankungen auslösen oder verschlimmern:
- Herzerkrankungen: Chronische bakterielle Belastung kann die Herzklappen schädigen.
- Nierenfunktion: Bakterienembolien belasten die Nieren.
- Leberfunktion: Ähnlicher Mechanismus wie bei den Nieren.
Das ist der Grund, warum Zahngesundheit als Teil der Allgemeingesundheit betrachtet werden muss — nicht als isoliertes Zahnproblem.
Anzeichen einer Parodontitis
- Zahnfleischrückgang (Zähne sehen länger aus als normal)
- Tiefe Zahnfleischtaschen (im Sondierungsbefund des Tierarztes)
- Lockere Zähne
- Sehr starker Mundgeruch
- Eiteriger Ausfluss aus dem Zahnfleisch
- Geschwulst oder Abszess an der Wange
Was jetzt zu tun ist
Parodontitis muss professionell behandelt werden — häusliche Pflege allein kann sie nicht heilen. Nötig ist eine gründliche Reinigung unter Narkose, Spülung der Taschen und gegebenenfalls Extraktion stark betroffener Zähne.
Danach beginnt die häusliche Pflege von neuem — jetzt entscheidet sie darüber, wie schnell sich die Erkrankung wiederholt.
Häufige Fragen
Kann ein Hund mit Parodontitis noch geheilt werden? Knochen, der verloren gegangen ist, kommt nicht zurück. Aber die Entzündung kann gestoppt und weitere Zerstörung verhindert werden.
Wie erkenne ich, ob mein Hund Parodontitis hat? Erst der Tierarzt mit Sonde und ggf. Röntgen kann das sicher beurteilen. Verdacht bei: Zahnfleischrückgang, Lockerheit, starkem Geruch.
Können Zähne, die durch Parodontitis verloren gehen, ersetzt werden? Prothesen für Hunde sind unüblich. Die meisten Hunde kommen aber gut ohne einzelne Zähne zurecht.
Das Wichtigste in Kürze
- Parodontitis ist Knochenverlust durch unkontrollierte Zahnfleischentzündung.
- Über 80 % der Hunde ab 3 Jahren sind betroffen.
- Sie ist nicht reversibel — Vorbeugung ist entscheidend.
- Bakterien aus Zahnfleischtaschen belasten auch Herz, Nieren und Leber.
