Das Wort „Zahnziehen" klingt dramatischer als es meist ist. Beim Hund ist die Extraktion oft die beste Lösung — und danach geht es dem Tier deutlich besser als vorher. Schmerz weg, Infektionsherd weg, Problem gelöst.
Wann eine Extraktion nötig ist
- Fortgeschrittene Parodontitis mit schwerem Knochenabbau: Der Zahn hat keinen ausreichenden Halt mehr
- Zahnwurzelabszess ohne Möglichkeit einer Wurzelkanalbehandlung
- Stark gebrochener Zahn mit freiliegender oder infizierter Pulpa
- Persistierende Milchzähne, die den bleibenden Zahn behindern
- Überzählige oder fehlgestellte Zähne, die Schaden anrichten
- Nicht lebende, verfärbte Zähne mit periapikalen Veränderungen
Was bei der Extraktion passiert
Extraktionen werden immer in Narkose durchgeführt. Je nach Zahn und Anatomie:
- Schnitt ins Zahnfleisch (bei mehrzähligen Zähnen wie Backenzähnen oft nötig)
- Ablösung des Zahnfleischlappens vom Knochen
- Durchtrennung der Zahnwurzel bei mehrzähligen Zähnen (Zähne mit 2–3 Wurzeln müssen vor dem Ziehen geteilt werden)
- Extraktion des Zahns oder der Zahnwurzel
- Wundverschluss durch Nähte (resorbierbar, müssen nicht entfernt werden)
Röntgen vor der Extraktion hilft, die Wurzelanatomie zu kennen und Reste zu vermeiden.
Wie lange die Heilung dauert
- Kleine Zähne: etwa 7 Tage Wundheilung
- Große Backenzähne mit mehreren Wurzeln: 2–3 Wochen bis vollständige Heilung
- Weiches Futter für die ersten 1–2 Wochen
- Keine Kauartikel und kein hartes Spielzeug bis zur Kontrolle
Können Hunde gut ohne Zähne fressen?
Ja — erstaunlich gut. Hunde schlucken Futter großteils ohne intensives Kauen. Auch Hunde, denen viele Zähne fehlen, fressen meist zuverlässig. Bei Bedarf wird auf weiches oder eingeweichtes Futter umgestellt.
Alternativen zur Extraktion
Bei bestimmten Zähnen (besonders Eckzähnen) kann eine Wurzelkanalbehandlung eine Option sein. Sie ist aufwendiger, teurer und setzt eine spezialisierte Praxis voraus — kann aber den Zahn erhalten. Dein Tierarzt bespricht, was im konkreten Fall sinnvoll ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Extraktion ist oft die beste Lösung — und danach geht es dem Hund besser.
- Durchgeführt in Narkose, mit Röntgen für gute Planung.
- Heilung: 1–3 Wochen je nach Zahn; weiches Futter in der Zwischenzeit.
- Hunde kommen mit fehlenden Zähnen sehr gut zurecht.
