Manchmal scheint eine Allergiebehandlung trotz aller Bemühungen nicht so recht zu wirken – das Diätfutter wurde umgestellt, der Flohschutz ist lückenlos, und trotzdem bleibt der Juckreiz. Ein häufig übersehener Grund dafür: zusätzliche Infektionen, die sich auf der bereits gereizten Haut entwickelt haben.
Wie es zu Sekundärinfektionen kommt
Bei einer Allergie ist die Haut oft chronisch gereizt, gerötet und durch ständiges Kratzen, Lecken oder Beißen zusätzlich geschädigt. Diese geschädigte Hautoberfläche bietet einen idealen Nährboden für Bakterien und Hefepilze, die unter normalen Bedingungen kein Problem darstellen würden, sich auf entzündeter Haut aber leichter ausbreiten können.
Man spricht hier von Sekundärinfektionen – also Infektionen, die als Folge eines bereits bestehenden Problems (der Allergie) entstehen, nicht als dessen ursprüngliche Ursache.
Typische Anzeichen für eine Sekundärinfektion
Während die Grundsymptome einer Allergie – Juckreiz, Rötung, Hautveränderungen – oft schleichend verlaufen, können folgende zusätzliche Anzeichen auf eine Sekundärinfektion hindeuten:
- Ein unangenehmer, leicht süßlicher oder fauliger Geruch der Haut oder Ohren
- Fettige, schuppige oder krustige Hautveränderungen
- Verstärkte Rötung oder Dunkelfärbung der Haut in bestimmten Bereichen
- Pusteln oder kleine, eitergefüllte Erhebungen
- Ein plötzlicher, deutlicher Anstieg des Juckreizes, der vorher unter Kontrolle schien
Warum die Mitbehandlung so wichtig ist
Hier liegt ein zentraler Punkt: Selbst wenn die zugrunde liegende Allergie korrekt identifiziert und behandelt wird – etwa durch ein passendes Diätfutter oder konsequenten Flohschutz – kann der Juckreiz bestehen bleiben oder sich nur teilweise verbessern, solange eine zusätzliche bakterielle oder Pilzinfektion unbehandelt bleibt.
Diese Infektionen erzeugen ihren eigenen Juckreiz und ihre eigene Entzündungsreaktion, die sich mit der allergiebedingten Symptomatik überlagert. Wird nur die Allergie behandelt, bleibt ein Teil der Beschwerden bestehen – was leicht als "die Allergiebehandlung wirkt nicht" missverstanden werden kann, obwohl eigentlich die Infektion das Problem ist.
Wie Sekundärinfektionen behandelt werden
Die Behandlung von Sekundärinfektionen liegt in tierärztlicher Hand und richtet sich nach der Art und dem Ausmaß der Infektion. Mögliche Maßnahmen, die der Tierarzt je nach Befund einsetzen kann, umfassen:
- Spezielle medizinische Shampoos oder Lösungen mit antimikrobiellen Wirkstoffen
- Lokal aufgetragene Präparate für stärker betroffene Stellen
- Bei ausgedehnteren Infektionen gegebenenfalls systemische Behandlungen
Wichtig ist, dass eine Sekundärinfektion nicht "von selbst" mit abheilt, nur weil die Allergie behandelt wird – sie braucht in der Regel eine eigene, gezielte Behandlung.
Der Teufelskreis zwischen Allergie und Infektion
Allergie und Sekundärinfektion können sich gegenseitig verstärken: Die Allergie schädigt die Haut, die geschädigte Haut begünstigt die Infektion, und die Infektion verstärkt wiederum Juckreiz und Entzündung – was den Hund noch mehr kratzen lässt und die Haut weiter schädigt. Diesen Kreislauf zu durchbrechen erfordert oft, beide Aspekte – Allergie und Infektion – gleichzeitig anzugehen.
Regelmäßige Kontrollen sinnvoll
Bei Hunden mit chronischen Allergien kann es sinnvoll sein, die Haut regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren zu lassen, auch wenn die Allergie selbst gut eingestellt scheint. So können sich entwickelnde Sekundärinfektionen frühzeitig erkannt und behandelt werden, bevor sie zu einem größeren Problem werden.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob es sich um eine Allergie oder eine Infektion handelt? Häufig liegt beides gleichzeitig vor. Eine eindeutige Unterscheidung und Diagnose kann in der Regel nur der Tierarzt anhand einer Untersuchung, manchmal auch mit zusätzlichen Tests wie Hautabstrichen, vornehmen.
Kann ich eine Sekundärinfektion selbst mit Hausmitteln behandeln? Davon ist abzuraten. Sekundärinfektionen benötigen meist eine gezielte, auf den Erreger abgestimmte Behandlung, die ein Tierarzt verordnen sollte.
Warum hat mein Hund trotz neuem Diätfutter immer noch Juckreiz? Eine mögliche Erklärung kann eine unbehandelte Sekundärinfektion sein, die unabhängig vom Futter eigene Symptome verursacht. Eine tierärztliche Untersuchung kann das klären.
Das Wichtigste in Kürze
- Aufgekratzte, allergische Haut bietet einen Nährboden für bakterielle und Pilzinfektionen
- Sekundärinfektionen verursachen eigenen Juckreiz, der zusätzlich zur Allergie besteht
- Ohne Mitbehandlung der Infektion bleibt der Juckreiz oft trotz Allergietherapie bestehen
- Anzeichen wie Geruch, Pusteln oder verstärkte Rötung können auf eine Infektion hindeuten
- Die Behandlung von Sekundärinfektionen gehört in tierärztliche Hand
