Das Maul: ein vernachlässigter Bereich
Die Maulhöhle des Hundes gehört zu den am häufigsten übersehenen Bereichen der täglichen Gesundheitskontrolle. Dabei ist sie ein Frühwarnsystem: Zahnstein, Zahnfleischentzündungen, gebrochene Zähne, Geschwüre oder Tumore zeigen sich hier, lange bevor der Hund deutliche Schmerzsignale gibt.
Ein gesunder Hund hat rosa, festes Zahnfleisch, cremeweiße bis leicht gelbliche Zähne (bei Erwachsenen) und keinen intensiven Mundgeruch. Jede Abweichung davon ist ein Zeichen, das untersucht werden sollte.
Was du beim Blick ins Maul achten solltest
Zahnstein: Gelb-braune bis dunkelbraune Ablagerungen auf den Zähnen — besonders an den Backenzähnen und den großen Reißzähnen. Leichter Zahnstein ist normal und kann durch regelmäßiges Zähneputzen verlangsamt werden. Starker Zahnstein, der das Zahnfleisch bedeckt, muss professionell entfernt werden.
Zahnfleischentzündung (Gingivitis): Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch, das beim Berühren oder Fressen schmerzt. Oft begleitet von Mundgeruch. Frühstadium ist reversibel durch Zahnstein-Entfernung und Pflegemaßnahmen. Fortgeschrittene Parodontitis kann nicht mehr vollständig rückgängig gemacht werden.
Gebrochene Zähne: Besonders die Reißzähne und Fangzähne brechen beim Kauen auf sehr harten Kauartikeln oder Knochen. Ein gebrochener Zahn mit freiliegender Pulpa (rosa/roter Kern sichtbar) ist schmerzhaft und infektionsgefährdet. Er muss tierärztlich behandelt werden — entweder durch Extraktion oder Wurzelkanalbehandlung.
Geschwüre und Läsionen: Kleine, blassrote oder weißliche Flecken, Geschwüre oder Wucherungen auf Zunge, Zahnfleisch oder Gaumen. Manche sind harmlos (Verletzungen durch Spielzeug), manche sind ernste Warnsignale (Tumore im Mundbereich). Im Zweifel immer vom Tierarzt beurteilen lassen.
Mundgeruch: Leichter Mundgeruch ist beim Hund normal. Intensiver, fauliger oder sehr süßlicher Geruch (letzter kann auf Diabetes hinweisen) ist ein Zeichen für Zahnprobleme oder systemische Erkrankungen.
Wie du ins Maul schaust
Viele Hunde lassen das Maulöffnen gut zu, wenn sie von klein auf daran gewöhnt wurden. Setze dich seitlich neben den ruhigen Hund. Greife mit einer Hand sanft über die Schnauze, hebe die Lippen an, schaue auf Zahnfleisch und Zähne. Öffne das Maul kurz, indem du vorsichtig den Kiefer unten leicht öffnest.
Wenn der Hund nicht kooperiert: übe das Anfassen des Mauls schrittweise mit Belohnungen. Medical Training für diesen Bereich ist eine lohnende Investition.
Professionelle Zahnreinigung
Selbst bei regelmäßiger Zahnpflege zu Hause brauchen die meisten Hunde alle ein bis drei Jahre eine professionelle Zahnreinigung unter Narkose. Diese ist die einzige Möglichkeit, subgingivalen Zahnstein (unterhalb des Zahnfleischs) zu entfernen, der zu Parodontitis führt.
Die Angst vor der Narkose ist verständlich, aber bei gesunden Hunden ist das Risiko gering — und das Risiko chronischer Zahnprobleme (und ihrer Folgen auf Herz, Niere, Leber) ist deutlich höher.
