🦷 Tipp #57 · 6 Min. Lesezeit

Wurzelentzündung beim Hund: Wenn Bakterien die Zahnwurzel erreichen

Eine Wurzelentzündung ist schmerzhaft und kann zu einem Abszess führen. Was passiert, wenn Bakterien in die Tiefe des Zahns eindringen.

#wurzel#entzuendung
Schwellung am Hundekiefer — möglicher Hinweis auf Zahnwurzelabszess
Schwellung am Hundekiefer — möglicher Hinweis auf Zahnwurzelabszess
Hinweis: Dieser Tipp dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Krankheitssymptomen, vor Diäten und besonderen Fütterungsformen wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

Eine Wurzelentzündung — medizinisch Pulpitis oder apikale Parodontitis — ist eine der schmerzhaftesten Zahnerkrankungen beim Hund. Und sie kommt häufiger vor als viele Halter denken, weil Zähne auch ohne sichtbare Brüche von innen erkranken können.

Wie Bakterien in die Zahnwurzel gelangen

Der Zahn besteht aus Schmelz (außen), Dentin und innen dem Pulpakanal — ein Hohlraum, der Nerv und Blutgefäße enthält. Bakterien erreichen diesen Kanal auf zwei Wegen:

Weg 1: Über eine Zahnfraktur Bricht ein Zahn, liegt die Pulpa unter Umständen offen oder ist nur durch eine dünne Dentinschicht geschützt. Bakterien dringen über den Bruch ein.

Weg 2: Über tiefe Parodontitis Wenn sich Bakterien durch Parodontitis tief unter das Zahnfleisch graben, können sie die Wurzelspitze von außen erreichen und in den Kanal eindringen.

Was dann passiert

Einmal im Pulpakanal, entzünden Bakterien das Gewebe. Die Entzündung schreitet zur Wurzelspitze fort. Dort bildet sich ein Abszess — ein Eiterherd, der sich gegen den Kieferknochen drückt. Ohne Behandlung kann der Abszess aufbrechen:

  • Nach außen durch die Haut (Fistel unter dem Auge ist klassisch beim vierten oberen Prämolaren)
  • In die Maulhöhle
  • In seltenen Fällen in tiefes Gewebe (Phlegmone — medizinischer Notfall)

Warnzeichen einer Wurzelentzündung

  • Schwellung im Gesicht, vor allem unter dem Auge oder seitlich am Kiefer
  • Schmerzreaktion beim Öffnen des Maulens oder bei Berührung
  • Plötzlich verändertes Fressverhalten — der Hund meidet harte Nahrung
  • Abgestorbener, grau verfärbter Zahn — der Zahn kann nach einer Pulpanekrose sichtbar verfärben
  • Fistelöffnung mit eitrigem Ausfluss

Behandlung

Beim Tierarzt wird zuerst mit Röntgen diagnostiziert. Optionen:

  • Extraktion des betroffenen Zahns — häufigste Lösung
  • Wurzelkanalbehandlung — beim Kleintier möglich, aber aufwendig und teuer; meist bei Zähnen mit hohem funktionellen Wert (z. B. Eckzähne)

Begleitend werden meist Antibiotika eingesetzt, um die Infektion einzudämmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wurzelentzündungen entstehen durch Zahnfrakturen oder fortgeschrittene Parodontitis.
  • Der Abszess kann nach außen durchbrechen — klassisch unter dem Auge.
  • Symptome: Gesichtsschwellung, Schmerz, Fressveränderung, Verfärbung.
  • Behandlung: Extraktion oder Wurzelkanalbehandlung — immer tierärztlich.

Weiterführende Informationen

Verwandte Tipps

← Alle Zahnpflege-Tipps ansehen

Du willst eine persönliche Futter-Empfehlung?

BELLA fragt nach Rasse, Alter, Gewicht und Gesundheit und empfiehlt in 60 Sekunden die optimale Sorte aus über 11.000 Produkten — kostenlos.

🐕 BELLA fragen →
RS
Rolf Schwertfechter

Hundefutter-Experte & BELLA-Gründer

Rolf Schwertfechter betreibt BELLA seit 2024 und hat den BELLA-Score entwickelt, der 11.000+ Hundefutter-Sorten nach Proteinquelle, Deklaration und Preis-Leistung bewertet. Er analysiert täglich Preisdaten aus dem AWIN-Feed, wertet aktuelle Studien aus und schreibt alle Ratgeber auf dieser Seite.

11.000+

analysierte Futtersorten

2+ J.

Erfahrung mit Tiernahrung & KI

16+

peer-reviewed Quellen