Eine Wurzelentzündung — medizinisch Pulpitis oder apikale Parodontitis — ist eine der schmerzhaftesten Zahnerkrankungen beim Hund. Und sie kommt häufiger vor als viele Halter denken, weil Zähne auch ohne sichtbare Brüche von innen erkranken können.
Wie Bakterien in die Zahnwurzel gelangen
Der Zahn besteht aus Schmelz (außen), Dentin und innen dem Pulpakanal — ein Hohlraum, der Nerv und Blutgefäße enthält. Bakterien erreichen diesen Kanal auf zwei Wegen:
Weg 1: Über eine Zahnfraktur Bricht ein Zahn, liegt die Pulpa unter Umständen offen oder ist nur durch eine dünne Dentinschicht geschützt. Bakterien dringen über den Bruch ein.
Weg 2: Über tiefe Parodontitis Wenn sich Bakterien durch Parodontitis tief unter das Zahnfleisch graben, können sie die Wurzelspitze von außen erreichen und in den Kanal eindringen.
Was dann passiert
Einmal im Pulpakanal, entzünden Bakterien das Gewebe. Die Entzündung schreitet zur Wurzelspitze fort. Dort bildet sich ein Abszess — ein Eiterherd, der sich gegen den Kieferknochen drückt. Ohne Behandlung kann der Abszess aufbrechen:
- Nach außen durch die Haut (Fistel unter dem Auge ist klassisch beim vierten oberen Prämolaren)
- In die Maulhöhle
- In seltenen Fällen in tiefes Gewebe (Phlegmone — medizinischer Notfall)
Warnzeichen einer Wurzelentzündung
- Schwellung im Gesicht, vor allem unter dem Auge oder seitlich am Kiefer
- Schmerzreaktion beim Öffnen des Maulens oder bei Berührung
- Plötzlich verändertes Fressverhalten — der Hund meidet harte Nahrung
- Abgestorbener, grau verfärbter Zahn — der Zahn kann nach einer Pulpanekrose sichtbar verfärben
- Fistelöffnung mit eitrigem Ausfluss
Behandlung
Beim Tierarzt wird zuerst mit Röntgen diagnostiziert. Optionen:
- Extraktion des betroffenen Zahns — häufigste Lösung
- Wurzelkanalbehandlung — beim Kleintier möglich, aber aufwendig und teuer; meist bei Zähnen mit hohem funktionellen Wert (z. B. Eckzähne)
Begleitend werden meist Antibiotika eingesetzt, um die Infektion einzudämmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Wurzelentzündungen entstehen durch Zahnfrakturen oder fortgeschrittene Parodontitis.
- Der Abszess kann nach außen durchbrechen — klassisch unter dem Auge.
- Symptome: Gesichtsschwellung, Schmerz, Fressveränderung, Verfärbung.
- Behandlung: Extraktion oder Wurzelkanalbehandlung — immer tierärztlich.
