🤧 Tipp #4 · 6 Min. Lesezeit

Wiederkehrende Ohrentzündungen beim Hund: Wenn eine Allergie dahintersteckt

Wiederkehrende Ohrentzündungen ohne klare Ursache sind häufig ein Zeichen für eine zugrunde liegende Allergie – futter- oder umweltbedingt.

#symptome#ohren
Tierarzt untersucht das Ohr eines Hundes mit Otoskop
Tierarzt untersucht das Ohr eines Hundes mit Otoskop
Hinweis: Dieser Tipp dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Krankheitssymptomen, vor Diäten und besonderen Fütterungsformen wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

Eine einzelne Ohrentzündung kann viele Ursachen haben – Wasser im Ohr nach dem Schwimmen, ein Fremdkörper oder eine einmalige Infektion. Doch wenn dein Hund alle paar Wochen oder Monate erneut mit rotem, juckendem, übel riechendem Ohr beim Tierarzt vorstellig wird, lohnt sich ein zweiter Blick: Wiederkehrende Ohrentzündungen (Otitis externa) sind eines der häufigsten und oft übersehenen Anzeichen einer Allergie.

Warum Allergien die Ohren betreffen

Die Haut im Ohrkanal ist Teil des allgemeinen Hautorgans. Bei einer Allergie – ob futter- oder umweltbedingt – reagiert das Immunsystem überschießend, was zu einer chronischen, niedriggradigen Entzündung der Haut führt. Im Ohrkanal sorgt diese Entzündung für ein verändertes Mikroklima: mehr Wärme, mehr Feuchtigkeit, mehr Ohrenschmalz. Das ist ein perfekter Nährboden für Bakterien und Hefepilze (vor allem Malassezia), die sich dort übermäßig vermehren und die eigentliche, sichtbare Entzündung verursachen.

Das bedeutet: Die Ohrentzündung selbst ist oft nur das Symptom eines Symptoms. Wird nur die akute Infektion mit Ohrentropfen behandelt, die zugrunde liegende Allergie aber nicht erkannt, kommt die Entzündung nach einigen Wochen oder Monaten zurück – ein frustrierender Kreislauf für Hund und Halter.

Typische Anzeichen, auf die du achten solltest

  • Häufiges Kopfschütteln oder Kratzen an einem oder beiden Ohren
  • Schiefhaltung des Kopfes
  • Rötung, Schwellung oder Wärme im Ohrkanal
  • Unangenehmer, oft "hefiger" Geruch
  • Vermehrtes, dunkles oder gelbliches Ohrenschmalz
  • Schmerzempfindlichkeit beim Berühren der Ohren

Wenn diese Symptome immer wiederkehren – besonders wenn sie mit Hautproblemen an Pfoten, Bauch oder im Analbereich einhergehen – steigt der Verdacht auf eine allergische Grunderkrankung.

Futtermittel- oder Umweltallergie?

Bei manchen Hunden treten Ohrentzündungen vor allem saisonal auf, was auf eine Umweltallergie (z. B. Pollen, Milben) hindeuten kann. Bei anderen sind die Ohren das ganze Jahr über ein Problem – hier lohnt sich der Verdacht auf eine Futtermittelallergie. Häufig sind beide Komponenten beteiligt.

Was der Tierarzt tun sollte

Eine gründliche Abklärung umfasst typischerweise:

  1. Ohrabstrich und mikroskopische Untersuchung, um Bakterien und Hefepilze zu identifizieren und gezielt zu behandeln
  2. Behandlung der akuten Infektion mit geeigneten Ohrenreinigern und ggf. Medikamenten
  3. Suche nach der Grundursache – inklusive der Frage, ob eine Ausschlussdiät oder eine Abklärung auf Umweltallergene sinnvoll ist

Wichtig: Die Sekundärinfektion muss immer mitbehandelt werden, sonst bleibt der Juckreiz bestehen, selbst wenn die Allergie später unter Kontrolle ist.

Vorbeugung im Alltag

Regelmäßige, sanfte Ohrenkontrollen und -reinigung mit einem milden, vom Tierarzt empfohlenen Ohrenreiniger können helfen, ein gesundes Milieu im Ohrkanal zu erhalten. Bei Hunden mit Hängeohren (z. B. Cocker Spaniel, Basset) ist die Belüftung des Ohrkanals ohnehin eingeschränkt, was das Risiko zusätzlich erhöht – hier ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.

Häufige Fragen

Wie oft sind "wiederkehrende" Ohrentzündungen verdächtig? Wenn dein Hund mehr als zwei- oder dreimal pro Jahr eine Ohrentzündung hat, oder die Entzündung kurz nach Absetzen der Behandlung wieder aufflammt, sollte eine Allergie als mögliche Ursache abgeklärt werden.

Reicht es, die Ohren regelmäßig zu reinigen? Reinigung kann unterstützen und vorbeugen, behandelt aber nicht die zugrunde liegende Allergie. Bei wiederkehrenden Problemen ist eine tierärztliche Ursachenklärung notwendig.

Können beide Ohren unterschiedlich stark betroffen sein? Ja, das ist normal und sagt nichts über die Ursache aus. Anatomische Unterschiede oder unterschiedlich starke Sekundärinfektionen können zu asymmetrischen Symptomen führen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wiederkehrende Ohrentzündungen sind oft Symptom einer Allergie, nicht die Ursache selbst.
  • Entzündungen begünstigen ein Übermaß an Bakterien und Hefepilzen im Ohrkanal.
  • Saisonale Muster können auf eine Umweltallergie hindeuten, ganzjährige eher auf eine Futtermittelkomponente.
  • Die akute Infektion muss immer mitbehandelt werden – sonst hält der Juckreiz an.
  • Bei wiederkehrenden Problemen lohnt sich eine gezielte tierärztliche Ursachenabklärung.

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RS
Rolf Schwertfechter

Hundefutter-Experte & BELLA-Gründer

Rolf Schwertfechter betreibt BELLA seit 2024 und hat den BELLA-Score entwickelt, der 11.000+ Hundefutter-Sorten nach Proteinquelle, Deklaration und Preis-Leistung bewertet. Er analysiert täglich Preisdaten aus dem AWIN-Feed, wertet aktuelle Studien aus und schreibt alle Ratgeber auf dieser Seite.

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