Eine der meistgestellten Fragen im BARF-Alltag: Wie viel soll mein Hund eigentlich bekommen? Die kurze Antwort lautet: ungefähr 2–3 % des Idealgewichts täglich. Die vollständige Antwort ist etwas komplizierter.
Die Faustregel und ihre Grenzen
2–3 % des Idealgewichts pro Tag ist die gebräuchlichste Faustregel für adulte, durchschnittlich aktive Hunde. Für einen 20-kg-Hund wären das 400–600 g Rohfutter täglich.
Aber: Diese Zahl ist ein Startpunkt, keine Wahrheit. Sie passt für einen gesunden, normalgewichtigen, mittelaktiven erwachsenen Hund. Sie passt nicht für:
- Welpen und Junghunde: deutlich höherer Bedarf, andere Aufteilung (bis zu 8–10 % des aktuellen Körpergewichts bei kleinen Welpen)
- Sehr aktive Hunde: Arbeitshunde, Sporthunde brauchen deutlich mehr
- Übergewichtige Hunde: Berechnung nach dem Ziel- oder Idealgewicht, nicht dem Ist-Gewicht
- Untergewichtige Hunde: Bedarf zunächst erhöhen, bis Normalgewicht erreicht
- Ältere Hunde: oft langsamerer Stoffwechsel und geringerer Bedarf
- Trächtige/laktierende Hündinnen: stark erhöhter Bedarf
Idealgewicht — nicht Ist-Gewicht
Ein häufiger Fehler: übergewichtige Hunde nach ihrem aktuellen Gewicht zu füttern. Wenn dein Hund 28 kg wiegt, aber eigentlich 22 kg wiegen sollte, berechnest du die Ration nach 22 kg. Sonst perpetuierst du das Übergewicht.
Das Idealgewicht schätzt dein Tierarzt — er bewertet die Körperkondition (Body Condition Score) und gibt dir eine Zielgröße.
Wie du die Menge anpasst
Rohfütterung ist keine exakte Wissenschaft, aber eine beobachtende. Nachdem du mit einer kalkulierten Menge gestartet bist, schaust du nach:
- Gewicht: Kontrolliere alle 2 Wochen. Nimmt der Hund zu oder ab?
- Kot: Zu wenig Kot bei normaler Konsistenz kann auf Überversorgung hindeuten.
- Energie und Körperkondition: Wirkt der Hund fit, ist die Rippe tastbar (aber nicht sichtbar)?
Passe die Menge in 5–10%-Schritten an, wenn nötig.
Das Wiegen ist unverzichtbar
Ohne Küchenwaage funktioniert BARF auf Dauer nicht zuverlässig. Das Abschätzen per Augenmaß führt zu unbeabsichtigter Über- oder Unterversorgung. Wäge die Gesamtration ab und protokolliere Anpassungen.
Häufige Fragen
Kann ich täglich die gleiche Menge geben? Bei adulten Hunden: ja. Manche BARFer variieren leicht — z. B. mehr an Trainingstagen, weniger an Ruhetagen. Das ist in Ordnung, solange die Wochenbilanz stimmt.
Was, wenn mein Hund mehr oder weniger will? Das Sättigungsgefühl ist ein Hinweis, kein Befehl. Manche Hunde überwürden sich gerne, andere sind wählerisch. Orientiere dich an Gewicht und Kondition, nicht am Betteln.
Ändert sich die Menge im Jahresverlauf? Oft ja: Im Winter brauchen viele Hunde etwas mehr Energie (besonders wenn sie viel draußen sind), im Sommer etwas weniger. Beobachte und passe an.
Das Wichtigste in Kürze
- Faustregel: 2–3 % des Idealgewichts täglich für adulte, normalaktive Hunde.
- Welpen, aktive und kranke Hunde brauchen individuelle Berechnungen.
- Immer nach Idealgewicht, nicht nach Ist-Gewicht bei Übergewicht berechnen.
- Regelmäßig wiegen und die Ration bei Bedarf in kleinen Schritten anpassen.
